Nordnorwegen mit dem Wohnmobil: Tromsø, Lyngen & Co.

Nordnorwegen mit dem Wohnmobil: Tromsø, die Lyngenalpen und das Fährnetz nach Senja. Mit ehrlichen Fahrzeiten, Wandertipps und Routen Richtung Nordkap.

Von Terje Johansen

Lohnt sich Tromsø und Lyngen mit dem Wohnmobil?

Ja – aber plane ehrlich Zeit ein. Tromsø ist das Tor zur Arktis, und die Lyngenalpen direkt östlich der Stadt gehören zum Dramatischsten, was Norwegens Norden zu bieten hat: Gletscher, türkise Bergseen und Norwegens höchster Gipfel auf rund 69,8 Grad Nord, weit nördlich des Polarkreises. Die Region ist ideal als Brücke zwischen Senja und Lofoten im Süden und dem Nordkap im Norden. Für diese Kombination brauchst Du mindestens drei Wochen plus An- und Abreise, realistisch eher vier. Wer weniger Zeit hat, sieht Nordnorwegen vor allem durch die Windschutzscheibe. In diesem Guide findest Du die Highlights, das Fährnetz und ehrliche Fahrzeiten.

Wie viel Zeit brauchst Du wirklich?

Das ist die wichtigste Frage – und die, bei der die meisten sich verschätzen. Tromsø und Lyngen sind eine Brückenregion: Sie liegen ungefähr in der Mitte zwischen den Lofoten und dem Nordkap. Wer hier durchfährt, hat schon einen langen Weg hinter sich und noch einen vor sich.

Die ehrliche Faustregel lautet: Für eine Nordnorwegen-Rundreise solltest Du mindestens drei Wochen plus An- und Abreise einplanen. Willst Du Senja, Tromsø, Lyngen und das Nordkap in einem Rutsch verbinden, ist eine vierte Woche angebracht – sonst hetzt Du von Fähre zu Fähre und siehst die Landschaft nur im Vorbeifahren.

Eine grobe Aufteilung, die sich bewährt hat: zwei bis drei Tage für Senja, zwei Tage Tromsø als Stadt-Stopp, drei bis vier Tage für die Lyngenalpen mit ein, zwei Wandertagen, und für den Abstecher zum Nordkap mehrere Tage allein für die Fahrt. Dazwischen brauchst Du Pufferzeit für Wetter, Fähr-Wartezeiten und spontane Stopps. Wer die Region als reines Durchgangsland behandelt, verschenkt genau das, wofür man so weit nach Norden fährt. Die Detailplanung für 3 Wochen und mehr nimmst Du am besten mit dem Ratgeber zur Wohnmobil-Route Norwegen in die Hand.

Tromsø: das Tor zur Arktis als Stadt-Stopp

Tromsø etablierte sich ab etwa 1850 als Tor zum Nordpolarmeer und wurde zur Basis für Polarexpeditionen – Jagd, Wissenschaft und früher Tourismus liefen hier zusammen. Diese Geschichte spürst Du in der Stadt noch heute. Als Wohnmobilist nutzt Du Tromsø am besten als kompakten Stadt-Stopp zwischen den Naturetappen.

Das bekannteste Wahrzeichen ist die Eismeerkathedrale (Ishavskatedralen), entworfen von Jan Inge Hovig und 1965 fertiggestellt. 1972 kam das große Glasmosaik auf der Ostseite hinzu. Für den Überblick lohnt die Seilbahn Fjellheisen, die seit 1961 von Tromsdalen auf die Bergterrasse Storsteinen führt – auf 421 m über dem Meer mit Panoramablick über Stadt, Fjorde und Inseln. Betriebszeiten und Tarife der Seilbahn ändern sich; prüfe sie vor dem Besuch auf der offiziellen Seite, statt Dich auf alte Angaben zu verlassen.

Zum Übernachten bietet sich ein stadtnaher Stellplatz an. Tromsø Lodge und Camping liegt in Tromsdalen am Fluss, ganzjährig geöffnet, rund 2 km beziehungsweise etwa 15 Gehminuten zur Eismeerkathedrale und nur wenige Fahrminuten ins Zentrum. Es gibt eine komplette Ver- und Entsorgungsstation für Wohnmobile und kostenloses WLAN. Konkrete Übernachtungspreise nennen wir bewusst nicht – sie variieren nach Saison; schau direkt beim Platz nach Deinem Reisezeitraum.

Praktisch ist die Stadtnähe vor allem, weil Du das Wohnmobil stehen lassen und Tromsø zu Fuß oder per Bus erkunden kannst. Die Altstadt mit ihren Holzhäusern, die Eismeerkathedrale und die Talstation der Fjellheisen liegen alle in vertretbarer Entfernung. Plane für die Stadt mindestens einen vollen Tag ein – zwei, wenn Du auch den Berg und ein, zwei Museen mitnehmen willst. Tankstellen und gut sortierte Supermärkte gibt es in Tromsø reichlich, was die Stadt zum sinnvollen Versorgungs-Stopp macht, bevor es in die dünner besiedelten Regionen weitergeht.

Die Lyngenalpen: Gletscher und Bergseen

Die Lyngenalpen liegen auf der Lyngen-Halbinsel in Troms, östlich der Stadt Tromsø. Hier steht mit Jiehkkevárri auf 1.833 bis 1.834 m der höchste Gipfel der Region, und rund 140 Gletscher mit zusammen etwa 141 km² Eisfläche prägen die Halbinsel. Diese Gletscher ziehen sich klimabedingt zurück – Routen und Zugänge ändern sich von Jahr zu Jahr.

Zwei Wanderungen sind besonders lohnend und auch für ungeübtere Bergwanderer machbar:

  • Blåisvatnet, der Blaue See: rund 10 km hin und zurück bei nur etwa 200 Höhenmetern, etwa 3 bis 4 Stunden. Das Wasser leuchtet türkis, weil feines Felsmehl aus dem Gletscher im See schwebt. Eine der beliebtesten Touren der Region.
  • Steindalsbreen, der Gletscher: vom Parkplatz zum Gletscher und zurück rund 12,4 km mit etwa 470 Höhenmetern, plane 5 bis 6 Stunden ein. Technisch moderat, aber lang. Geh nicht ohne Erfahrung und Ausrüstung auf das Eis selbst.

Beide Touren starten an Parkplätzen, die mit dem Wohnmobil erreichbar sind – aber rechne nicht mit großen, ausgebauten Stellflächen. Komm früh, dann findest Du eher einen Platz, und der Anstieg liegt noch im kühlen Morgenlicht. Feste Bergschuhe und wetterfeste Kleidung gehören aufs Packliste-Minimum, selbst bei sonnigem Start.

Halte Wandertage flexibel: Das Wetter im Hochgebirge schlägt schnell um. Erzwinge keine Gipfeltour, wenn die Wolken tief hängen – die Berge laufen nicht weg. Wer die Fjordrunde rund um die Halbinsel als zusammenhängende Strecke fahren will, findet alle Etappen auf unserer Seite zur Rundtour Lyngenfjord.

Inseln und Fjorde verbinden: das Fährnetz

Ohne Fähren kommst Du in dieser Region nicht weit – sie sind Naturerlebnis und Nadelöhr zugleich. Die wichtigsten Verbindungen:

  • Breivikeidet–Svensby: rund 20 Minuten Überfahrt. Breivikeidet liegt etwa 40 Minuten südöstlich von Tromsø, Svensby mitten in den Lyngenalpen – der direkte Weg vom Festland auf die Halbinsel.
  • Lyngseidet–Olderdalen: rund 35 Minuten. Sie bringt Dich von der Lyngen-Halbinsel zurück ans E6-Festland Richtung Norden.
  • Brensholmen–Botnhamn: rund 35 Minuten, von Tromsø über Kvaløya bis Brensholmen etwa 1 Stunde 15 Minuten Fahrt. Betreiber ist Torghatten Nord. Diese Fähre verbindet Tromsø mit Senja.

Genau die Brensholmen–Botnhamn-Fähre ist im Sommer ein echter Engpass: Bei vielen Abfahrten bleiben Fahrzeuge stehen, und manche Wohnmobilreisende übernachten am Terminal, um einen Platz zu sichern. Stell Dich früh an oder plane großzügig Pufferzeit ein. Wer weiter nach Vesterålen und Lofoten will, nimmt von Senja die saisonale Fähre Gryllefjord–Andenes, die etwa von Mai bis Anfang September verkehrt (rund 1 Stunde 40 Minuten); die genauen Betriebsdaten variieren jährlich.

Aktuelle Fahrpläne und Preise nach Fahrzeuglänge nennen wir hier nicht statisch – sie ändern sich saisonal. Wie Du Fähren per AutoPASS bezahlst und Sommer-Warteschlangen umgehst, steht im Ratgeber zu Fähren in Norwegen. Wie sich Tromsø mit der Nachbarinsel verknüpfen lässt, zeigt die Landschaftsroute Senja.

Anschluss nach Norden und Süden: realistische Distanzen

Tromsø und Lyngen sind ein Knotenpunkt. Von hier führen zwei große Linien weiter – und beide werden gern unterschätzt.

Richtung Nordkapp sind es ab Tromsø rund 539 km über E8 und E6, mit reiner Fahrzeit von etwa 9 Stunden – realistisch eher 9 bis 10 Stunden plus Pausen. Das ist keine Tagesetappe, die man nebenbei abreißt: Die Straßen sind schmal, Tempolimits liegen meist zwischen 50 und 80 km/h. Plane mehrere Tage und feste Stopps ein. Am Lyngenfjord-Knotenpunkt Skibotn an der Kreuzung E6/E8 liegt mit Brennfjell Camping ein ganzjähriger Stellplatz, der sich als Basis für Lyngen und als Sprungbrett nach Norden anbietet. Eine Etappe weiter, direkt am Lyngenfjord in Kåfjord, ist Basecamp Birtavarre am Fluss eine gute Übernachtung zwischen Lyngen und dem Nordkap-Anschluss.

Richtung Lofoten geht es über die Festlandroute (E8/E6/E10 via Nordkjosbotn und Bjerkvik) – rund 420 bis 433 km in etwa 6 bis 6,5 Stunden, und das ganz ohne Fähre. Wer mehr Inselgefühl will, kombiniert stattdessen Senja über die Brensholmen-Fähre. Die übergeordnete Routenlogik für 3 Wochen und mehr findest Du im Ratgeber zur Wohnmobil-Route Norwegen.

Beste Reisezeit und Mitternachtssonne

Der hohe Norden ist fast drei Viertel des Jahres unter Schnee. Das ideale Reisefenster liegt Mitte Juni bis September. In Tromsø dauert die Mitternachtssonne typischerweise von etwa dem 20. Mai bis zum 22. Juli: In dieser Zeit geht die Sonne nicht unter, und die Nacht wird zu goldenem Tageslicht. Nordlicht gibt es dagegen vom Spätsommer bis ins Frühjahr.

Die Mitternachtssonne kannst Du clever nutzen – etwa für eine Wanderung oder eine Fährfahrt spät am Abend, wenn die Tagesgäste weg sind und das Licht warm wird. Aber sei gewarnt: 24 Stunden Helligkeit rauben vielen den Schlaf. Sorge für gute Verdunkelung im Wohnmobil, sonst unterschätzt Du die Erschöpfung nach ein paar Tagen. Außerhalb von Stellplätzen sind Frischwasser sowie Grau- und Schwarzwasser-Entsorgung in der Lyngen-Region rar; plane diese Punkte vorab ein (in Lyngseidet gibt es zum Beispiel eine Tankstellen-Option). Mehr zu Saison, Licht und Wetter steht im Ratgeber zur besten Reisezeit.

Fazit: Plane Zeit, nicht Kilometer

Tromsø und die Lyngenalpen sind das Herzstück einer Nordnorwegen-Reise – aber nur, wenn Du ihnen Zeit gibst. Drei Wochen sind das Minimum für die Kombination aus Senja, Tromsø, Lyngen und Nordkap, vier Wochen sind ehrlicher. Rechne die langen Distanzen und die sommerlichen Fähr-Engpässe von Anfang an ein, dann wird aus der Durchfahrt eine echte Reise. Beginne Deine Detailplanung am besten mit der Rundtour Lyngenfjord und such Dir entlang der Strecke feste Stellplätze als Rückgrat.

Häufige Fragen

Wie viel Zeit brauche ich für Tromsø, Lyngen und das Nordkap?
Plane für eine Nordnorwegen-Rundreise mindestens drei Wochen plus An- und Abreise ein. Willst Du Senja, Tromsø, Lyngen und das Nordkap in einem Rutsch verbinden, ist eine vierte Woche angebracht – sonst siehst Du die Landschaft vor allem durchs Wohnmobilfenster.
Wann ist Mitternachtssonne in Tromsø?
In Tromsø dauert die Mitternachtssonne typischerweise von etwa dem 20. Mai bis zum 22. Juli. In dieser Zeit geht die Sonne nicht unter. Nordlicht gibt es dagegen vom Spätsommer bis ins Frühjahr. Sorge für gute Verdunkelung im Wohnmobil.
Welche Wanderungen lohnen sich in den Lyngenalpen?
Der Blåisvatnet (Blauer See) ist mit rund 10 km hin und zurück und nur etwa 200 Höhenmetern in 3 bis 4 Stunden machbar. Der Gletscher Steindalsbreen ist anspruchsvoller: rund 12,4 km und etwa 470 Höhenmeter, plane 5 bis 6 Stunden ein. Geh nicht ohne Erfahrung auf das Eis selbst.
Wie komme ich mit dem Wohnmobil von Tromsø auf die Lyngen-Halbinsel?
Über die Autofähre Breivikeidet–Svensby in rund 20 Minuten. Breivikeidet liegt etwa 40 Minuten südöstlich von Tromsø, Svensby mitten in den Lyngenalpen. Zurück ans E6-Festland Richtung Norden geht es über die Fähre Lyngseidet–Olderdalen in rund 35 Minuten.
Wie weit ist es von Tromsø zum Nordkap und zu den Lofoten?
Bis zum Nordkapp sind es rund 539 km über E8 und E6, reine Fahrzeit etwa 9 Stunden, realistisch eher 9 bis 10 Stunden plus Pausen. Zu den Lofoten führt eine fährfreie Festlandroute über E8/E6/E10 mit rund 420 bis 433 km in etwa 6 bis 6,5 Stunden.
Muss ich bei den Fähren mit Wartezeiten rechnen?
Ja, besonders auf der Verbindung Brensholmen–Botnhamn zwischen Tromsø und Senja. Im Sommer bleiben bei vielen Abfahrten Fahrzeuge stehen, manche Reisende übernachten am Terminal. Stell Dich früh an oder plane großzügig Pufferzeit ein.

Quellen

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